Solidarität nach Brandanschlag gegen Linkspolitiker Lutz Richter

Dresden jubelt, Pirna leidet“, titelte die Sächsische Zeitung im Lokalteil Pirna am 14.02.2010. 400 Nazis hatten am Abend des 13. Februar in Pirna randaliert und z. B. das SPD-Büro angegriffen und einen Passanten mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Auch einige unserer GenossInnen waren noch am Abend Vorort. In diesem Zusammenhang erschien es ihnen bedenklich, dass unser Kreisgeschäftsführer Lutz Richter am Vortag gesehen hatte, wie ein ihm bekannter und vorbestrafter Neonazi aus Dresden sein Grundstück und Auto fotografierte. „Zieht bei uns ein, da seid ihr sicher“, schlugen sie vor. Lutz ist aber keiner, der sich so leicht einschüchtern lässt.
»Viele zogen resigniert weg – Lutz blieb .«
„Wir stecken Deinen Kopf in einen Schraubstock und drehen gaaanz langsam zu“, hatten die Nazis ihm einst gedroht, als er mutig gegen sie im Skinhead-Sächsische-Schweiz-Prozess ausgesagt hatte. Damals ging auch das Auto seines Bruders – als das von Lutz verkannt – in Flammen auf. Unerschrocken zeigte Lutz Gesicht, wurde unser engagiertester Antifaschist. Viele zogen resigniert weg – Lutz blieb. Als wir ihn zu unserem Kreisgeschäftsführer wählten, glaubten wir, dass er nun kaum noch Zielscheibe von rechter Gewalt werden könnte. „Wir bleiben!“, lautete dann auch seine Entscheidung. Wir, das waren seine Freundin und der erst vier Wochen alte Sohn. Nachdem Lutz durch das Ausscheiden von Monika Knoche aus dem Bundestag seine Stelle verloren hatte, wollte er sich in der Elternzeit erst einmal seinem Nachwuchs widmen.
Als am darauf folgenden Donnerstag um 2:30 Uhr der Nachbar Lutz herausklingelte, dass sein Auto da draußen in Flammen aufgehe, wurde ihm schlagartig bewusst, dass das kein Zufall sein konnte. Das Auto stand wohlverwahrt im Hinterhof. Jeder Verdacht, dass er „nachgeholfen“ haben könnte, erübrigt sich. Das Auto war erst im Vorjahr angeschafft worden. Die Haftpflichtversicherung begleicht den finanziellen Schaden von 7000–8000 Euro nicht. Der 35jährige und seine Freundin hatten sich in dieser schönen, aber auch Kräfte zehrenden Zeit nach der Geburt ihres ersten Kindes alles andere gewünscht, als solche Aufregung. Mit dem Auto verbrannten auch der Auto-Babysitz und der Kinderwageneinsatz.
»Jetzt müssen wir erst recht zusammenhalten, Solidarität üben, Gesicht gegen Rechts zeigen, war uns klar.«
Entsetzen pur überkam uns alle, als wir von dem offensichtlichen Brandanschlag erfuhren. Damit hatten wir nicht gerechnet, obwohl wir es waren, die immer wieder gewarnt hatten. Regelrecht auf verlorenem Posten standen wir LINKEN, als unser OB-Kandidat Tilo Kloß zusammen mit Lutz Richter im Wahlkampf ein 12-Punkte-Programm gegen Rechts vorlegte. Das Thema spielte im Wahlkampf kaum eine Rolle. Das wollte niemand hören, nachdem sich OB Ulbig über das Thema Kampf gegen Rechts profiliert und es bis zum Innenminister geschafft hatte.
So schnell hat uns das alles nun wieder eingeholt! Bevor das Auto von Lutz in Flammen aufging, wurde ein ehemaliger Kreistagskandidat nachts in Pirna brutal angegriffen. Wie viel Gewalt wurde ausgeübt, wenn sich danach ein Schuhabdruck in dessen Gesicht wieder fand? Jetzt müssen wir erst recht zusammenhalten, Solidarität üben, Gesicht gegen Rechts zeigen, war uns klar. „Es ist schon sehr toll, mit so vielen lieben und herzlichen Menschen Politik zu machen. Irgendwie gibt DIE LINKE bei aller Diskussion und manchem Streit auch so viel Wärme.“, kommentierte Lutz, was er in den letzten Tagen an Solidarität und Beistand erlebte.
Natürlich helfen wir, wo wir nur können. Wir verleugnen aber auch nicht, dass wir uns Sorgen machen. Auf der faschistischen Altermedia-Internetseite Seite kursieren unmissverständliche Verhöhnungen und Drohungen gegen Lutz. Wir meinen, jetzt ist es an uns allen, Solidarität mit Genossen Lutz Richter, der sich unermüdlich gegen Rechts engagiert, zu zeigen. Die junge Familie braucht unsere Hilfe nach diesem großen materiellen Schaden.
Der Verein AKuBIZ hat ein Spendenkonto eingerichtet: AKuBIZ e.V. Zweck; Brandanschlag , Kto: 1000 933 180, BLZ: 850 600 00, Volksbank Pirna e.G.
Anja Oehm , Stellv. Vorsitzende DIE LINKE Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
Bild von Dr. Pat@flickr
Weitere Artikel
- None Found
Popularity: 11% [?]

Keine Kommentare ↓
Bisher gibt es noch keine Kommentare. Wollen Sie den ersten schreiben?
Einen Kommentar schreiben